Impressum

Die historische Buchholz- Sauer- Grüneberg Orgel
in der Kirche St. Nicolai zu Gützkow
 

In der Nicolaikirche zu Gützkow befindet sich ein Orgelwerk, welches in seinem Grundbestand auf ein Instrument von Carl August Buchholz zurückgeht (1831), 1883 von Wilhelm Sauer / Frankfurt/ Oder erweitert und 1915 von der Werkstatt Barnim Grüneberg grundlegend technisch umgebaut wurde.
Von der ursprünglichen Buchholzorgel sind noch 11 Register, und von Wilhelm Sauer noch 5 Register in Form von historischem Pfeifenbestand erhalten.
 

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1. Carl August Buchholz 1831
  14 Register, 2 Manuale (mechanische Schleiflade, Gehäuse: fünfteiliger
  neugotischer Prospekt mit Wimpergbekrönungen erhalten)

2. Wilhelm Sauer 1883
  19 Register, 2 Manuale (Erweiterung und Umbau der Orgel- mechan. Schleiflade
  sowie Einbau von pneumatischen Kegelladen im II. Manual; Verlegung nach Westen
  in die Turmnische)

 3. Werkstatt Barnim Grüneberg 1915 (Opus 725)

 23 Register, 2 Manuale (Erweiterung, Umbau der Traktur: durchgängig
   pneumatische Kegelladen)
 



Die Umgestaltung der Orgel durch Wilhelm Sauer im Jahr 1883 forderte neben einigen technischen Vorteilen (leichtere Spielweise durch pneumatische Traktur im Schwellwerk) auch einen Tribut: die Orgel wurde in die Nische des Westturms zurück versetzt mit dem Ziel, die Empore zu vergrößern und somit mehr Raum für das gemeinsame Musizieren mit Chören zu gewinnen. Diese Veränderung war mit akustischen Nachteilen für die Orgel verbunden. Außerdem hatte die Orgel kein allseitig umschließendes Orgelgehäuse mehr (Klangabstrahlung nach hinten).
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Im Jahr 1915 baute die Werkstatt B. Grüneberg die Orgel unter Verwendung von vorhandenem Pfeifenmaterial und des Gehäuses um. Das Instrument wurde hinsichtlich seiner Windladen neu gefertigt (pneumatische Kegelladen); es wurde jedoch an seinem Standort belassen. Der Spieltisch wurde neu gebaut und frei stehend links an der linken Emporenbrüstung aufgestellt.
Die von Buchholz übernommenen, originalen Zinnpfeifen mussten 1917 abgeliefert werden und wurden von Grüneberg 1917 mit Zinkpfeifen ersetzt.
 

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Defekte Kondukten


Orgel „vor der Restaurierung 1998- 2001“ (Aufnahme von 1994) bzw. von der Aufstellung im Turmraum mit frei stehendem Spieltisch


Im Jahr 1965 veränderte die Rochlitzer Orgelbaufirma Schmeißer die Orgel hinsichtlich einer Verbesserung der akustischen Möglichkeiten (Klangaufhellung).
So wurden im Schwellwerk 4 alte Register (Flauto dolce 4`, Aeoline 8`, Fugara 4`,
Voix celeste 8`) entfernt und durch die Register Gedackt 4`, Principal 4`, Octave 2`, und Quinte 1 1/3 ersetzt. Die Schwelljalousien wurden heraus genommen. Weiterhin wurde die
Trompete 8` vom Hauptwerk in das Pedal (anstelle des Cello 8`) versetzt.


Ende der 90-iger Jahre befand sich das Instrument in einem kaum spielfähigen Zustand, so dass eine umfassende Sanierung notwendig wurde.
Die Orgelbaufirma Sauer / Müllrose führte die Restauration von 1998- 2001 in
5 Bauabschnitten durch.
Eine wichtige Entscheidung stellten die Absenkung der Orgelempore um 50 cm (Wiedereinbau des Jalousieschwellers) sowie die Rückführung der Orgel an ihren alten Platz mit der Möglichkeit einer optimalen Klangabstrahlung in den Kirchenraum dar.
Der Spieltisch wurde gedreht und mittig vor dem Gehäuse aufgestellt.
Der Zinkprospekt von 1917 wurde belassen und überarbeitet.
Die alte Windanlage konnte auf Grund ihrer guten Substanz übernommen werden.
Die ursprüngliche Disposition der Werkstatt B. Grüneberg von 1915 wurde wieder hergestellt (siehe untere Darstellung der Disposition vor und nach der Restaurierung). Dabei erwies es sich als günstig, dass sich in der Orgel noch einige Pfeifen der Grüneberg- Register
 Aeoline 8`und Cello 8` (liegend) befanden. Weiteres originales Pfeifenmaterial von Grüneberg konnte von der Ev. Kirchengemeinde Ahrenshagen- Pantlitz/ Vorpommern käuflich erworben werden.

 

Disposition

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Abb. Restaurierungsbericht der Firma Sauer/ Müllrose 2001, S.2

 

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Spieltisch nach der Restaurierung

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restaurierter Rollschweller

 

Mit heute 22 Registern und einer Reihe für die Ästhetik der Spätromantik wichtiger Spielhilfen ist die Gützkower Orgel eine der interessantesten Orgeln jener Zeitepoche.
Nach Zerstörung vieler Instrumente zuzeiten des letzten Weltkrieges ist sie eine der größten, weitgehend unversehrten Werke der Stettiner Firma Barnim Grüneberg im vorpommerschen Gebiet.
Mit der großzügigen Hilfe von Privatspenden, Zuwendungen der Landeskirche, öffentlichen Geldern und nicht zuletzt durch den Einsatz der Kirchgemeinde war es möglich, das wertvolle Instrument für die Nachwelt zu erhalten.
In jedem Jahr machen sich namhafte Organisten aus der näheren Umgebung, aus Deutschland und auch Europa auf den Weg in die vorpommersche Kleinstadt Gützkow, um die historische Grüneberg- Orgel kennen zu lernen und mit ihren Konzerten die kleine Hörergemeinde von Gützkow und den umliegenden Gemeinden zu erfreuen.

Text: Katharina Kühne-Schnittler, Kirchenmusikerin an St. Nicolai Gützkow, 2011

Quellen: Restaurationsbericht der Orgelbaufirma Sauer/Müllrose, 2001
  Kostenangebote der Orgelbaufirma Sauer/ Müllrose, 1998/ 1999
  Bericht der Orgelabnahme von Martin Rost (ehemaliger Orgelsachverständiger der
  Landeskirche), 2001

 

 

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